Bodet BT 6.37 Klappzahlenuhr - Renovierung und Nebenuhrsteuerung mit ESP32
In meinem Artikel über die neue Nebenuhrsteuerung habe ich es ja schon angedeutet. Ich konnte gleich zwei Bodet Nebenuhren vom Typ BT 6.37 mit Datum und Wochentag zu sehr vernünftigen Preisen ergattern. Die Uhr mit dem weißen Gehäuse kommt aus Deutschland, die braune Version ist aus Österreich.
Wie auch bei den kleinen Bodet Klappzahlenuhren weist der innere Aufbau leichte Unterschiede auf. Ein Modell verfügt über Metallstreben, die mit Muttern verschraubt sind, während das andere Modell vollständig aus Kunststoff gefertigt ist.
Die Mechanik ist modular aufgebaut, so dass einfach das Modul mit dem Datum oder dem Wochentag unter die Uhrzeit gesetzt werden kann. Das sieht man sehr gut bei dem kleineren Model, der BT 6.30 wo der mittlere Teil einfach fehlt. Angeblich gibt es auch eine BT 6.27, die nur Uhrzeit und Wochentag hat, allerdings ist mir dieses Model noch nie untergekommen.
Zustand der Uhren
Der Zustand der braunen Uhr ist im Großen und Ganzen sehr gut, abgesehen von einigen Kratzern auf der Front. Allerdings hat auch hier wie schon bei der letzten Uhr der Motor für die Datumsanzeige nicht mehr funktioniert. Da am Motor aber eine Spannung anliegt, muss es an den oxydierten Schleifkontakten im Motor liegen.
Bei diesem Motortyp lassen sich die Schleifkontakte aber sehr einfach durch Zusammendrücken der Halterung entfernen. Mit etwas Kontakt 60 Spray zum Lösen der Oxidschichten und Kontakt WL Spray zum Reinigen lief der Motor wieder problemlos.
Das Umschalten des Datums funktioniert jetzt wieder tadellos:
Bei der weißen Uhr war die Situation leider ganz anders. Auf der Kodierscheibe für das Datum befindet sich Grünspan und scheinbar wurde hier schon mal mit einem Stückchen Kabel eine Verbindung repariert. Ein erster Test zeigte außerdem, dass das Datum bei Monaten mit weniger als 31 Tagen nicht richtig funktioniert. Auch hier hat eine Behandlung mit Kontakt 60 und Kontakt WL geholfen.
Ein weitaus größeres Problem gab es aber bei einem Fallblatt. Beide seitlichen Stiftchen waren abgebrochen und das Fallblatt wurde nur mit Klebestreifen zusammengehalten. Hier habe ich lange überlegt, was ich machen könnte. Eine Option wäre, das ganze Fallblatt mit einer Version aus dem 3D-Drucker zu ersetzen. Letztendlich habe ich mich für eine andere Option entschieden.
Mit meinem Dremel habe ich zunächst auf beiden Seiten etwas Material abgetragen. Aus einer Nähnadel habe ich mir dann zwei Stiftchen in der passenden Länge abgezwickt.
Diese Stiftchen habe ich dann vorsichtig an das Fallblatt geklebt und das Ganze 24 Stunden trocknen lassen.
Damit die Reparatur nicht ganz so offensichtlich ist, habe ich die Stiftchen noch mit einem schwarzen Marker angemalt.
Ein kurzer Test zeigt auch hier, dass das Fallblatt wieder fällt.
Ein weiteres Problem war, dass die hinteren Zuleitungen abgeschnitten wurden. Diese Leitungen brauche ich aber, da die Steuerung damit über die hintere Halterung mit Strom versorgt wird. Um an diese Leitungen zu kommen, muss die Uhr aus dem Gehäuse ausgebaut werden. Dazu befinden sich unten am Gehäuse zwei Halterungen, die vorsichtig nach unten gedrückt werden müssen. Dann kann die ganze Mechanik einfach herausgehoben werden.
Dadurch bekommt man Zugang zur Stiftleiste, an die ich dann einfach neue Kabel gelötet habe.
Das Gehäuse war auch recht schmutzig und normale Reinigungsmittel haben nicht geholfen. Ich habe daher das ganze Gehäuse abgeschliffen und wieder poliert. Auch die beiden Fronten habe ich entsprechend behandelt, was bei weitem der zeitaufwändigste Teil war.
Steuerung
Natürlich habe ich auch in diese beiden Uhren wieder meine Nebenuhrsteuerung eingebaut. Diese Uhren werden mit 12 Volt geschaltet, daher habe ich zunächst die Spannung entsprechend eingestellt.
So schaut die komplette Steuerung mit der Halterung für den Akku aus.
Das Gehäuse dieser Nebenuhren hat glücklicherweise die gleichen Stifte wie das kleinere Modell, so dass ich die Halterung unverändert verwenden kann. Am Ende sieht die Steuerung mit Verkabelung dann so aus:
Die Stromversorgung erfolgt wieder über die Halterung auf der Rückseite.
Der fertige Aufbau sieht dann so aus. Oben rechts sind die Zuleitungen von der Rückseite zu sehen.
Inbetriebnahme
Um die Bodet BT 6.37 in Betrieb zu nehmen, müssen zunächst der Wochentag und das Datum auf die richtigen Werte eingestellt werden. Dazu gibt es in der Uhr einige Hebel, mit denen die Fallblätter bewegt werden können.
Bei der Einstellung muss eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden:
- Minuten mit dem Hebel 1 auf 00 stellen
- Stunden mit dem Hebel 2 auf 0 stellen
- Den Wochentag mit Hebel 4 stellen
- Das Datum mit Hebel 3 auf 1 stellen
- Den Monat mit Hebel 5 auf den aktuellen Monat im richtigen Jahr stellen. Man kann entweder den Monat so lange weiter blättern, bis auch das Jahr stimmt, oder bei gedrücktem Hebel 5 mit Hebel 6 die Jahresscheibe weiterdrehen. Das eingestellte Jahr sieht man hinter dem Hebel 6 und muss entsprechend den Werten auf der Scheibe (1977, 1978, 1979, 1980) so eingestellt werden, dass die Differenz zum aktuellen Jahr ein Vielfaches von 4 ist, also bei 2026 = 1978 + 4 * 12.
- Jetzt mit Hebel 3 den richtigen Tag einstellen
- Mit Hebel 2 die Stunden einstellen
- Mit Hebel 1 die Minuten einstellen
Nach diesen Schritten kann das Gehäuse der Uhr geschlossen und die Stromversorgung über den USB-Stecker auf der Rückseite angeschlossen werden. In habe versucht, den ganzen Vorgang in einem Video darzustellen, aber wie man sieht, ist Filmen nicht unbedingt meine Stärke:
Im nächsten Schritt erfolgt die Einbindung der Uhr in das eigene WLAN. Dazu verbindet man sich mit dem Smartphone mit dem WLAN ESP32-WiFi-Provisioning. Danach erscheint auf dem Smartphone die Provisioning Seite:

Hier wählt man sein WLAN aus, gibt das entsprechende Passwort und die Werte für Stunde und Minute ein, die auf der Klappzahlenuhr angezeigt werden. Unter Hostname kann der Name eingetragen werden, unter dem die Uhr dann WLAN erscheint. Nach einem Klick auf Speichern & Verbinden verbindet sich die Uhr mit dem WLAN, und nach erfolgreicher Synchronisation mit einem Zeitserver stellt sich die Uhr automatisch ein. Ab jetzt läuft die Uhr. Da die Stromversorgung mit einem Akku gepuffert ist, kann man die Uhr ganz bequem an den Platz stellen, wo sie in Zukunft hängen soll. Auch dazu wieder ein Video:
Fazit
Damit ist die Renovierung der beiden Uhren abgeschlossen. Ursprünglich hatte ich noch geplant, das etwas vergilbte Gehäuse der weißen Uhr mit Wasserstoffperoxid aufzuhellen, aber einerseits fehlt mir dazu im Moment die Sonne und andererseits ist mir das Risiko zu groß. Die beiden Uhren sind auch so wunderschön und die leichte Patina zeigt schließlich nur, dass sie schon eine lange Geschichte hinter sich haben.
Ich denke, dass das Kapitel Klappzahlenuhren damit für mich abgeschlossen ist. Die BT 6.37 ist quasi der Heilige Gral der Bodet Uhren und danach kommt nicht mehr viel. Natürlich gibt es auch Klappzahlenuhren von anderen Herstellern wie zum Beispiel die Solari Udine Dator 5, aber die Preise sind extrem hoch und sie gefallen mir eigentlich auch nicht. Außerdem weiß ich jetzt schon nicht mehr, wohin mit den ganzen Uhren...

















