The Things Conference 2026

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, nach Amsterdam zu fahren. Angefangen hat alles mit meinem Artikel über Deep Learning auf dem ESP32-P4. Für die Ziffernerkennung mit MNIST-Daten hatte ich ein ESP32-P4 Display Board von Elecrow verwendet. Ende August hat mich Elecrow angeschrieben und gefragt, ob sie mein Projekt auf der The Things Conference 2026 im Rahmen ihrer Messepräsentation verwenden dürfen. Natürlich war das für mich in Ordnung. Anschließend kam die Frage, ob ich zufällig auch dort sein werde. Da die Tickets aber nicht gerade billig sind und eine Reise nach Amsterdam auch keine Kleinigkeit ist, war ich eher skeptisch. Einen Tag später hatte ich eine Eintrittskarte in meinem Postfach. Damit war die Sache entschieden: Ich lasse mich auf das Abenteuer ein. Als ich Elecrow das mitgeteilt habe, kam gleich die nächste Überraschung. Ob ich mein Projekt dann nicht gleich selbst vorstellen wolle? So bin ich völlig unerwartet vom Besucher zum Redner geworden :-)

Die Konferenz in der Kromhouthal

Die The Things Conference fand am 22. und 23. September 2026 zum neunten Mal statt, wie gewohnt in der Kromhouthal in Amsterdam-Noord. Mein Hotel lag praktischerweise gleich daneben, so hatte ich nur wenige Meter bis zur Halle.

Die Kromhouthal in Amsterdam-Noord

In der Kromhouthal hat die Firma 't Kromhout früher Schiffsmotoren gebaut, seit 2012 dient die alte Motorenfabrik als Veranstaltungsort. Die Backsteinwände, die Stahlträger und die schweren Laufkräne unter dem Dach sind geblieben. Das Motto in diesem Jahr lautete "Put Your Demo Where Your Mouth Is". Laut dem Veranstalter gab es über 2.000 Besucher aus mehr als 80 Ländern, rund 180 Vorträge und Workshops sowie über 100 Aussteller. 

Die Eröffnung im Things Theater

Neben den Ständen gab es die Demo Stage, das Things Theater für die großen Vorträge und einige Räume für die Workshops. Und auch ein humanoider Roboter namens EVA lief mit eigenem Konferenz-Badge herum.

Rundgang durch die Konferenz

Die meisten Aussteller sind natürlich an Industriekunden interessiert. Trotzdem waren alle auch zu mir als einfachem Maker sehr freundlich, haben sich Zeit genommen und meine Fragen beantwortet. Hier die Stände, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.

EBV Elektronik und das PSOC Edge E84 AI Kit

EBV Elektronik ist ein Halbleiter-Distributor mit Sitz in Poing bei München, gegründet 1969 und heute ein Teil von Avnet. Am Stand liefen zahlreiche Edge-AI-Demos, unter anderem Objekterkennung auf einem STM32N6, ein Roboterarm mit Kamerasteuerung auf NXP-Hardware und eine Gestenerkennung auf dem brandneuen ESP32-S31 Korvo-1. Der ESP32-S31 ist seit Ende Juli 2026 in Serienproduktion und bringt zwei RISC-V-Kerne mit 320 MHz, Wi-Fi 6, Bluetooth 5.4 und Thread mit.

Edge-AI-Demos am Stand von EBV Elektronik

Am meisten hat mich aber das PSOC Edge E84 AI Kit von Infineon interessiert. Der Mikrocontroller kombiniert einen Cortex-M55 mit 400 MHz, einen Cortex-M33 und eine Arm Ethos-U55 NPU für neuronale Netze. Nachdem ich erklärt hatte, dass ich Technik-Blogger bin, hat mir EBV so ein Board mitgegeben. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken! Zu dem Board wird es einen eigenen Artikel geben.

Semtech und der LR2021

Semtech ist die Firma hinter LoRa und hatte einen der größten Stände direkt im Zentrum der Halle. Gezeigt wurde vor allem der LR2021, der erste Chip der LoRa-Plus-Familie mit der vierten LoRa-Generation. Neben klassischem LoRa mit bis zu 200 kbps beherrscht er FLRC (Fast Long Range Communication) mit bis zu 2,6 Mbps, und das im Sub-GHz-Bereich und bei 2,4 GHz.

Bildübertragung per FLRC mit 1,3 Mbps

Wie viel das in der Praxis bedeutet, zeigte eine Demo mit Kamerabildern. Über eine FLRC-Verbindung mit 1,3 Mbps wurden laufend JPEG-Bilder mit 640 × 480 Pixeln übertragen.

Qualcomm, Arduino und Edge Impulse

Qualcomm hat Arduino im Oktober 2025 übernommen, und auf der Konferenz war deutlich zu sehen, was daraus wird. Der Arduino UNO Q kombiniert im bekannten UNO-Format einen Qualcomm QRB2210 mit Linux und einen STM32U585 für die Echtzeitaufgaben. Eine Nummer größer ist der Arduino VENTUNO Q mit einem Dragonwing IQ8, bis zu 40 TOPS KI-Leistung und einem STM32H5 als Mikrocontroller. In einer Demo steuerte er einen SO-101-Roboterarm per Teleoperation, der Quietscheenten sortierte.

Der VENTUNO Q steuert einen SO-101-Roboterarm

Sehr beeindruckt hat mich außerdem der Terrestrial Positioning Service von Qualcomm. Er bestimmt die Position über WLAN-Access-Points, Mobilfunkzellen und Bluetooth-Beacons, also auch dort, wo GPS nicht hinkommt. Am Stand wurde live gezeigt, wie ein Gebäude für die Indoor-Ortung vermessen wird.

Nordic Semiconductor

Der norwegische Hersteller Nordic Semiconductor ist vielen Makern durch seine Bluetooth-Chips bekannt. Spannend fand ich eine Demo zur Paketverfolgung. Ein Sensor in einem Karton erkennt in Echtzeit, ob das Paket ruht, getragen, geschüttelt oder fallen gelassen wird, und meldet jeden Stoß.

Paketverfolgung mit KI auf dem Gerät

Laut Bildschirm lief dafür ein KI-Modell auf Basis von Neuton direkt auf dem Gerät, die Verbindung lief über das Mobilfunkmodul nRF9151. Nordic hat Neuton.AI vor einiger Zeit übernommen und bringt damit sehr kleine neuronale Netze auf seine Chips.

MClimate

MClimate aus Sofia in Bulgarien entwickelt LoRaWAN-Geräte für Gebäude: Heizkörperthermostate, CO2-Sensoren, Bewegungsmelder und Wassersensoren. Einige der CO2-Displays werden über kleine Solarzellen von Epishine mit Raumlicht versorgt, andere sollen mit einer Batterie bis zu zehn Jahre durchhalten.

CO2-Sensoren von MClimate

Die Sensoren haben mich teilweise an meine eigene Wetterstation erinnert. Meine kann natürlich viel mehr. ;-) 

Elecrow

Elecrow aus Shenzhen wurde 2014 gegründet und ist mir vor allem durch die CrowPanel-Displays bekannt. Auf der Konferenz lag der Schwerpunkt auf LoRa und Meshtastic. Die ThinkNode-Familie reicht vom Tracker im Kreditkartenformat über Gateways bis zum ThinkNode M9, einem Handgerät mit Tastatur, das WLAN, Bluetooth, GPS und LoRa vereint. Daneben zeigte Elecrow das LR2021 Explorer Board, mit dem man Sprache direkt über LoRa übertragen kann.

Meine MNIST-Demo am Elecrow-Stand

Auf dem Tisch mit den HMI-Displays lief auch meine MNIST-Demo auf dem CrowPanel mit ESP32-P4. Es ist schon ein nettes Gefühl, das eigene Projekt auf einem Messestand in Amsterdam zu sehen.

DeepGate

DeepGate ist ein junges Unternehmen aus Großbritannien, das Werkzeuge für KI auf Mikrocontrollern entwickelt. Ihr Compiler optimiert trainierte Modelle so, dass sie mit weniger RAM, weniger Flash und geringerer Latenz laufen.

Der Stand von DeepGate

Das soll deutlich schneller sein als die Toolchains von Google und den Chipherstellern. Gerade nach meinen eigenen Erfahrungen mit der Quantisierung für den ESP32-P4 fand ich das sehr interessant.

Morse Micro

Morse Micro aus Sydney entwickelt Chips für Wi-Fi HaLow, also WLAN nach IEEE 802.11ah im Sub-GHz-Bereich. Die Reichweite liegt deutlich über normalem WLAN, gleichzeitig ist die Datenrate hoch genug für Kamerabilder. Anhand einer ganzen Wand von Mikrocontrollern wurde gezeigt, dass die Datenrate ausreicht, um alle Geräte mit einem Softwareupdate zu versorgen.

Wi-Fi HaLow bei Morse Micro

Ganz in der Nähe warb übrigens die Z-Wave Alliance mit einem Feldtest, der Z-Wave Long Range, LoRa und Wi-Fi HaLow vergleicht.

STMicroelectronics

Bei ST standen neue Nucleo-Boards für Funkanwendungen im Mittelpunkt. Das X-NUCLEO-NFC13A1 ist ein NFC-Leser auf Basis des ST25R210, der alle fünf NFC-Forum-Tag-Typen lesen kann. Das NUCLEO-WBA25CE1 und das NUCLEO-WBA65RI sind für Bluetooth LE, Zigbee, Thread und Matter gedacht.

Nucleo-Boards bei ST

Beide nutzen einen Cortex-M33, das WBA65RI mit 2 MB Flash und 512 KB SRAM, das kleinere WBA25CE1 mit 512 KB Flash und 96 KB SRAM. Für den Sub-GHz-Bereich gab es das NUCLEO-WL33CC mit dem STM32WL33, das unter anderem Wireless M-Bus, Sigfox und Mioty unterstützt.

Epishine und Energy Harvesting

Zum Schluss ein Thema, das mich für meine Sensoren sehr interessiert. Epishine aus Linköping in Schweden stellt organische Solarzellen her, die im Rolle-zu-Rolle-Verfahren gedruckt werden. Sie sind für Raumlicht optimiert und erreichen laut Hersteller rund 15 Prozent Wirkungsgrad bei 500 Lux. Das klingt nach wenig, ist unter Raumlicht aber ein guter Wert. Siliziumzellen sind auf das Sonnenspektrum ausgelegt und kommen unter LED-Licht oft nur auf 5 bis 10 Prozent. 

Organische Solarzellen von Epishine

Passend dazu zeigte e-peas den Energy-Harvesting-Chip AEM13921, und bei nanopower stand ein Demo-Board mit einer Stromaufnahme von gerade einmal 2,4 µA. Batterielose Sensoren rücken damit auch für Bastler ein Stück näher.

Mein Vortrag

Und dann war da noch mein eigener Auftritt. Im Rahmen des Programms von Elecrow habe ich mein MNIST-Projekt auf dem ESP32-P4 vorgestellt. Die Schritte vom Training in PyTorch über die Quantisierung bis zur Ziffernerkennung auf dem Display. Der Vortrag hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn er ein bisschen chaotisch war. Die Vorbereitung war offenbar nicht ganz so professionell, wie man das von einer großen Konferenz erwarten würde. Wilson aus dem Elecrow-Team hat es danach so zusammengefasst: "You saved my life". Danach gab es auch einige Fragen. Die Leute haben also tatsächlich zugehört. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich die Fragen an Wilson beantwortet, auf die er selbst keine Antwort wusste :-)

Abendessen mit dem Elecrow-Team

Am Abend des ersten Tages war ich mit dem Team von Elecrow essen. Da die Kollegen aus China kommen, ging es natürlich in ein chinesisches Restaurant. Es war ein sehr netter Abend und eine interessante Erfahrung, die Menschen kennenzulernen, die ich sonst nur aus Mails kenne.

Abendessen mit dem Elecrow-Team

Fazit

Aus einer Mail wegen eines Blogartikels wurden einige Tage Amsterdam, ein eigener Vortrag und ein Abend mit dem Elecrow-Team. Es war eine gute Entscheidung, die The Things Conference zu besuchen, auch wenn diese Veranstaltung primär für die Industrie gedacht ist und nicht mit einer Maker Faire vergleichbar ist.

Natürlich war auch auf dieser Konferenz KI das ganz große Thema. Die vielen Demos waren zwar sehr interessant, aber ich bin immer noch auf der Suche nach einem konkreten Use Case, den ich mit einem Projekt umsetzen könnte.  

Mit dem PSOC Edge E84 habe ich jetzt die Möglichkeit, ein komplexes Mikrocontroller-Framework jenseits des ESP32 kennenzulernen. Vor allem ein Vergleich der MNIST-Ziffernerkennung wird sehr spannend. Ich gehe davon aus, dass der PSOC Edge E84 den ESP32-P4 deutlich an Performance übertreffen wird.

Ein herzliches Dankeschön an Elecrow für die Einladung und an EBV Elektronik für das Board! Abschließend noch einige Eindrücke von der The Things Conference.

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